Fachkräfte im Handwerk 24. Juni 2026 5 Min. Lesezeit
Mitarbeiter finden im Handwerk:Warum mehr Personal dein Problem oft nicht löst
m.kellner
Equiptr Team

Die (Schief-)Lage 2026: Weiter im Absurden Wer bei der Mogelpackung des Jahres noch auf die geschrumpfte Tafel Schokolade von Lindt gehofft hat, hat noch keinen Blick auf das neueste Ergebnis des ifo-Instituts geworfen. In dem Report heißt es, die Situation entspanne sich gerade. Im Februar 2026 klagten nur noch 22,7 Prozent der Unternehmen über fehlende Fachkräfte. Niedrigster Wert seit fünf Jahren. Ein Träumchen, oder? Wie hieß der Song von Aerosmith gleich? "Dream on." Der Rückgang hat einen einfachen Grund: Die Auftragsbücher sind dünner. Wer weniger zu tun hat, sucht weniger Leute. Sobald die Konjunktur wieder anzieht, kehrt der Mangel auf magische Art und Weise zurück, verstärkt durch den demografischen Wandel. Die Zahlen aus dem DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 zeigen das deutlich: 36 Prozent aller Unternehmen können offene Stellen nicht voll besetzen im Bauhauptgewerbe sind es 49 Prozent, im Tiefbau 62 Prozent eine offene Stelle im Handwerk bleibt im Schnitt 224 Tage unbesetzt 2015 waren es noch 104 Tage. Eine Verdoppelung in zehn Jahren Abwarten und Tee trinken? Den Zahn ziehen wir dir sofort. So eine offene Stelle kostet dich zwischenzeitlich eine fünf- bis sechsstellige Summe, ohne dass du es direkt bemerkst. Du musst Aufträge ablehnen Dein Team steht unter Druck, macht Überstunden Mehr Krankheitstage mehr Fluktuation und innere Kündigungen Soweit die Kurzfassung. Vom Mangel zur Bedingung, mit der Du arbeitest Solange der Fachkräftemangel als Problem gilt, das du irgendwann durchstehst, bleibt deine Reaktion immer gleich: Du schaltest mehr Anzeigen über noch mehr Kanäle und übst mehr Druck auf deine Personalabteilung aus. Gut, wenn du keine Personalabteilung hast und es selber machst, kommst du noch später nach Hause. Übel nehmen können wir dir das nicht, denn bis vor wenigen Jahren war deine Annahme berechtigt. Die Situation hat sich jedoch verändert: Die Leute werden immer älter und es gibt immer weniger Nachwuchs(-kräfte) im Handwerk. Dafür aber mehr Akademiker, bei denen man nun nicht mehr weiß, wohin mit ihnen. Eine Folge einer jahrzehntelangen Annahme von "Ohne Studium wird aus dir nichts". Und jetzt auch nicht, da vieles durch künstliche Intelligenz automatisiert wird. Also stopfen wir die Fachkräftelücke doch einfach mit den Akademikern. Scherz beiseite – Die Frage, die du dir auf lange Sicht stellen musst, ist nicht mehr "Wie finde ich mehr Leute?", sondern "Wie hole ich das Beste aus meiner aktuellen Belegschaft raus und meide dabei Überlastung?". Das ist die aktuelle Bedingung am Markt. Die Großen machen es vor: Eine Kündigungswelle folgt der Nächsten. Allerdings geschieht dies meistens ohne den Plan, die zweite Frage im Absatz davor zu klären. Wenn die "Entlastung" zur "Belastung" wird Du kennst das Muster vermutlich aus eigener Erfahrung. Die Einstellung klappt, nur die erwartete Entlastung bleibt aus. Projekte verzögern sich weiter, das Team steht weiter unter Druck, Aufträge werden weiter abgelehnt, da keiner Zeit hat. Bei dir und deiner Personalabteilung entsteht Frust. Eure Erwartung war: Mehr Leute lösen unser Kapazitätsproblem. Und dann bleibt die Wirkung aus, weil die eigentliche Ursache nicht behoben wurde. Denn neue Leute bringen nur dann eine Erleichterung, wenn du den Bremsklotz im Betriebsablauf damit entfernst. In den Fällen, in denen der Bremsklotz dabei liegen bleibt, verbrennst du Geld. Stelle dir diese drei Fragen, bevor du loslegst Bevor du eine Anzeige schaltest, stelle dir drei Fragen. Das kostet dich zwanzig Minuten und spart dir unter Umständen ein halbes Jahr an Kopfschmerzen: 1. Was haben deine letzten drei Einstellungen tatsächlich verändert? Wirf einen Blick auf deine vergangenen Einstellungen: Hat der Druck im Bereich messbar nachgelassen, als du deine Stellen besetzt hast? Sind Projekte schneller fertig geworden? 2. Wo wartet jemand? Gehe durch deinen Betrieb und schaue: Wer wartet auf Material, auf Pläne, auf Freigaben, auf Kollegen? Drei oder mehr Wartepunkte heißen: Der Prozess selbst ist das Problem. 3. Welches Problem soll die neue Stelle lösen? Definiere anhand von Mitarbeiter-Feedback und klarer Prozessanalyse, was die neue Stelle lösen soll. Und "Wen" brauchst du dafür? Viele verlieren sich insbesondere bei letzterem Punkt in rein fachlichen Qualifikationen. Wenn das "Menschliche" hinterher nicht passt und das Team nicht mit involviert wurde, stehst du recht zügig wieder am Anfang. Wieso? Der Wetterbericht sagt, es hagelt Kündigungen. Je klarer dein Suchprozess und dein Ziel sind, umso schneller ist auch der gesamte Bewerbungsprozess. Quellen: DIHK-Fachkräftereport 2025/2026; ifo Konjunkturumfrage Februar 2026; Bundesagentur für Arbeit, Pressemitteilung Tag des Handwerks 2025.